Malort

Farbpalette

Malprozess

Bild

Malort

Teilnehmerin

Arno Stern

„In diesem Spiel, das jedem leicht fällt, dem Großen wie dem Kleinen, entwickelt sich auch ein außergewöhnliches Können und das Bewusstsein ungeahnter Fähigkeiten.

Im Malort wird gleichzeitig das Selbstbewusstsein und die Beziehung zu anderen gefördert, in einem harmonischen, wettkampflosen, nirgendwo erreichten Gleichgewicht“

Arno Stern

Was geschieht in einem Malort?

Seit jeher gibt es ein natürliches Bedürfnis der Menschen zu malen und dabei Spuren entstehen zu lassen. Es ist der Wunsch nach freiem Ausdruck ohne, dass uns jemand zeigt „wie es geht“. Das wertfreie „Malspiel“ unterscheidet sich grundsätzlich von der Kunst, denn die dabei entstehenden Spuren haben keine vermittelnde Aufgabe wie ein Kunstwerk. Dies bedeutet, dass wir das Malen mit keiner Erwartung verbinden und unabhängig werden davon, ob jemand unser Bild schön findet oder nicht. Die gemalten Bilder werden weder interpretiert noch kommentiert oder bewertet. Sie werden weder ausgestellt noch aufgehängt, sondern in einer Mappe gesammelt aufbewahrt.

Beim Malspiel gibt es kein richtig oder falsch, keine sozialen Unterschiede und kein Vergleichen mit anderen. Das Malspiel ist weder künstlerisch noch therapeutisch ausgerichtet. Es ist eine sinn- und wertvolle Tätigkeit, die eine natürliche Entwicklung unterstützt, die Persönlichkeit stärkt und zu einer tiefen Zufriedenheit führen kann.

In unserer schnelllebigen, reizüberfluteten Zeit, die von Lern- oder Leistungsdruck und wechselnden Aktivitäten geprägt ist, bietet der Malort einen beständigen, vertrauensvollen und geschützten Raum in dem man zur Ruhe kommen kann. In einer zunehmend virtuellen Welt wird es zudem immer bedeutender, etwas in der Realität zu tun, das von Kontinuität und aktivem Erleben geprägt und nicht konsumorientiert ist.

 


Malspiel

Gemalt wird in kleinen Gruppen. Einfache Spielregeln strukturieren die Malstunde, geben wichtige Orientierung und Halt, denn das Malspiel ist weit entfernt davon, sich dabei kreativ auszutoben. Es dauert oft etwas, um spontan, unbelastet und ohne Druck malen zu können, daher empfiehlt es sich, das Malspiel regelmäßig über einen längeren Zeitraum auszuüben.

Eine Maleinheit dauert 90 Minuten.

Malen für kleinere Kinder

Kinder äußern sich über die ersten motorischen Gebärden hin zu ersten Figuren und schließlich in zusammenhängenden Bildern. Bei diesem Prozess ist es wichtig, dass wir ihn nicht beschleunigen indem wir beispielsweise etwas vorgeben oder vormalen weil wir meinen, das Kind müsse dieses oder jenes schon darstellen können. Wichtig ist es auch, nicht danach zu fragen, was das Gemalte darstellen soll und nichts zu korrigieren oder etwas als richtig oder falsch anzusehen. So kann Vertrauen in die schöpferischen Fähigkeiten gestärkt werden und das Kind kann zu seiner „natürlichen Spur“ finden.

Malen für ältere Kinder und Erwachsene

In späteren Jahren haben manche Menschen - durch gute oder weniger gute Erfahrungen wie Lob und Kritik - oft den spontanen Zugang und das Vertrauen in ihre bildnerische Ausdrucksfähigkeit verloren. Viele wissen nicht, was sie malen sollen oder denken, sie könnten es nicht. Im Malspiel kann die ursprüngliche Lust, nur für sich zu malen wieder belebt werden. Sie können sich genussvoll den leuchtenden Farben hingeben, ohne Anspruch auf ein tolles Ergebnis. Gerade auch im Seniorenalter kann es diese Art des Malens unter anderem ermöglichen, inneren Reichtum zu erfahren.

Die „dienende Rolle“

Im Sinne Arno Sterns ist meine Aufgabe eine dienende. Ich schaffe einen Spielraum mit wertschätzender Atmosphäre und achte auf jeden einzelnen Malenden. Ich sorge dafür, dass die Spielregeln eingehalten werden und dass beispielsweise niemand über das Bild eines anderen urteilt. Vor allem gebe ich keine Anregungen, keine Themen vor und mische mich nicht in den Malprozess ein. Ich belehre und korrigiere nichts, lobe oder kritisiere nicht. All das sorgt dafür, dass alle unbeschwert und ungestört malen können.

 


Die natürliche Spur

Vor über 60 Jahren gründete Arno Stern den Malort in Paris und hat weltweite Forschungsreisen unternommen. Die entstandenen Bilder hat er katalogisiert und festgestellt, dass sich bei allen ein ganz bestimmtes System von Gebilden zeigt – ein Universalgefüge, das er mit Formulation bezeichnet.

Über 500.000 Bilder hat Arno Stern archiviert. Sie bilden die Grundlage seiner wissenschaftlichen Forschung über die Formulation (Ausdruckssemiologie), die über das Institut I.R.S.E. in Paris international anerkannt ist. Bis heute unterhält Arno Stern einen Malort in Paris, bildet im Malspiel aus und wurde von der UNESCO als Experte zum Ersten Internationalen Kongress über Kunsterziehung nach Bristol delegiert.

Bücher/Links Arno Stern:

„Der Malort“
„Die Expression“
„Das Malspiel und die natürliche Spur“
„Wie man Kinderbilder nicht betrachten soll“
„Die Spur“
„Das Malspiel und die Kunst des Dienens“
www.arnostern.com

Artikel „Der Spiegel“ – Das Alphabet der Menschheit www.spiegel.de/spiegel/print/d-57223356.html

Sehr empfehlenswert: der Film „alphabet“ von Erwin Wagenhofer mit Arno Stern